Indischer Swami: Das Wichtigste ist dein Wunsch, frei zu sein

Manchmal begegnen einem Wesen, die alles in Frage stellen, was man schon gelernt zu haben glaubte. Als ich, durch diverse Lektüre inspiriert, nach Antwort auf meine Fragen bezüglich Erleuchtung und Manifestation suchte, meldete sich ein indischer Meister, der meinte, Manifestation sei gar nicht wichtig, da alles, was man innerhalb der Weltillusion erschaffe, ja ebenfalls Illusion sei. Wichtig sei allein der Wunsch, frei von all dem zu sein.

Dieses Gespräch fand vor über einem Jahr statt, und ich spiele immer noch in der Illusion. Genau genommen hat sich da in den zehn Jahren seit den „Filmrealitäten“-Channelings nicht viel geändert. Schon damals war mir ein spannender Film lieber, als mir einen Haufen Stuhlreihen anzugucken. Ob ich also in diesem Leben noch erleuchtet werde, wage ich eher zu bezweifeln. 😉

Aber ich wäre super interessiert an euren Kommentaren, falls ihr welche habt.

Viel Spaß mit dem Text!

Wenn man erleuchtet ist, kann man dann alles manifestieren?

Ich kontemplierte über das Thema (lacht), ob die Erleuchtung einen in den Stand versetzt, Dinge einfach so manifestieren zu können, oder ob sie das nicht tut. Weil ich hab einerseits hier ein Buch, das heißt. „Die Meister des Fernen Ostens“ oder „Das Leben der Meister des Fernen Ostens“, und da trifft er Leute, die ständig Brot und Essen quasi aus der Luft manifestieren. Noch nicht mal wie Jesus, der ja noch zwei Brote und drei Fische irgendwie hatte, sondern die manifestieren das ohne alles. So. Und dann wiederum … und sie sagen nämlich auch, wenn du das Christusleben führst, dann wird das für dich ein ganz normaler Zustand, daß du das machen kannst. Und dann hast du nie wieder ein Problem, das Lebensnotwendige zu haben. Und dann gehen sie auch von Ort zu Ort, und überall sind tolle Unterkünfte, und das Essen steht immer gleich auf den Tisch, und man braucht für nichts irgendwas zu tun – sogar in der Wüste Gobi. 🙂

Und dann wiederum – also ich hab das ja schon stark angezweifelt, ob das wirklich ein Erlebnisbericht ist oder etwas, was der Typ sich einfach ausgedacht hat, weil er eben seine Jesus-Geschichten an die Leute bringen wollte und so ein paar Wunder dafür ja immer ganz praktisch sind. Da sind die Leute ja immer gleich interessiert so.

So. Und auf der anderen Seite las ich heute einen Bericht von einem Typ, der also so per Satsang und Meditation und so wirklich die Erleuchtung erlangte. Und dann wollte er Satsang-Lehrer werden, oder spiritueller Lehrer. Aber er mußte feststellen, daß nicht genug Leute Interesse hatten, und die, die Interesse hatten, die hatten kein Geld, sodaß er schließlich gezwungen war, nach einem Jahr – oder er dachte, daß er gezwungen ist – also jedenfalls nach einem Jahr hat er die Sache fallenlassen und sich nen Job gesucht.

So. Meine Frage war: Wenn er doch erleuchtet ist, und wenn doch die Erleuchtung dich in den Stand setzt, Dinge aus der hohlen Hand zu manifestieren, sodaß du nie mehr wieder irgendwie für Geld arbeiten mußt oder so, ja (lacht) – steht so in dem Buch mit den Meistern des Fernen Ostens! –, wieso konnte er das denn dann nicht?

Und das, was mir vorhin schon so ansatzweise geflüstert wurde, war: Weil er dafür das alte System benutzen wollte. Er wollte seine Erkenntnisse aus der Erleuchtung für Geld verkaufen, während aber eigentlich die Erleuchtung ihm hätte sagen müssen, daß alles aus dieser einen Substanz besteht, und daß du aus dieser einen Substanz alles, alles machen kannst, was du willst! Und das hätte er benutzen müssen, dieses Wissen, um direkt das zu erschaffen, was er haben wollte, statt es zu verkaufen, Sitzungen zu geben und Satsangs anzubieten. Das wär gar nicht nötig gewesen.

Interview mit dem Swami:

Die Leute wollen erleuchtet werden, um ihrem Leiden zu entkommen

Okay, das war jetzt das, was ich dazu schon in Erfahrung bringen konnte. Und als ich noch so darüber rumsinnierte, hat sich jetzt irgendwie scheinbar ein indischer Meister hier eingeschaltet, der mir darüber interessante Dinge – oder vielleicht auch nicht so interessante Dinge – berichten will aus seiner Sicht. Und ich übergebe ihn hiermit das Wort (lacht) nach dieser langen Einleitung.

Ja, sagt er, ihr habt immer sehr lange Einleitungen.

Ach, immer nicht. Nur damit eben klar ist, wie ich dazu kam, deine Bekanntschaft zu machen, und um welches Thema es eigentlich geht.

Jetzt fängt er erst mal an, mir Energie zu senden – warte. (Pause) Und dann schickt er mir so Bilder – so unterschiedliche Bilder. Ich weiß aber nicht, ob die nicht doch aus meinem eigenen Fundus kommen von was ich gelesen habe. Das eine, was er mir schickt, ist das Wurzelchakra. Das Wurzelchakra, wenn du einmal dieses Chakra ganz gemeistert hast, dann hast du keine Angst mehr vor dem Tod, und du hast auch keine Probleme mit Überleben in irgendeiner Form, weil diese Energie dann quasi … ah, er sagt: „Wenn du es nicht gemeistert hast, dann beherrscht dich diese Energie, und wenn du sie gemeistert hast, dann dient sie dir.” Aha.

Genau. Wenn du sie nicht gemeistert hast, dann wirst du ständig halt am Arbeiten sein und am Überlegen: „Wie kann ich genug zum Leben haben?“ und so. Und wenn du sie gemeistert hast, das heißt wirklich, du hast keine Angst mehr vor dem Tod, weil du weißt, daß dein Leben ewig ist. Du weißt das dann in jeder Zelle von dir.

Und das ist, was die heutigen Schüler, die heutigen nach Erleuchtung Suchenden, könnte man sagen – ja, „Adepten“ ist ein Wort, das er nicht möchte –, was die gerne überspringen. Die wollen immer gleich die Ergebnisse vorwegnehmen. Und deswegen ist ihr Erwachen dann eben auch nicht … ja, was schickt er mir? Nicht tief genug und auch nicht … ja, tiefgreifend. Also das ist noch mal anders als tief. Wie kann ich das beschreiben? Es geht nicht bis ganz unten hin, könnte man sagen, bis wirklich in die DNS, bis in die tiefsten Gründe deines Seins. Es ist mehr so oberflächlich.

Genau. Weil der heutige Suchende, der will hauptsächlich seine Probleme lösen und seinen Leiden entkommen. Er sucht nicht wirklich nach Erkenntnis, er sucht nicht wirklich nach Befreiung. Das ist aber die Motivation, die du haben mußt, um wirklich … wirklich frei zu werden, ja! Da geben sich die Leute mit so einer oberflächlichen Erfahrung dann zufrieden und damit, daß sie auf einmal das Leben als unmittelbar erfahren. Das ist ja auch schön, aber das ist doch noch lange nicht alles. Da geht es noch weiter – noch viel, viel weiter!

Und da hören die Leute auf, weil sie denken, das war’s jetzt schon. Und das liegt oftmals leider daran, daß sie keinen Lehrer haben, oder einen selbst nur halb erwachten Lehrer. Weil jeder kann sich heute hinsetzen und Satsang geben. Es hat ja keiner ein Ding, einen Stempel, den er braucht, um das machen zu können oder so, ja. Oder es gibt auch kein Prüfungskomitee, das guckt, wie tief deine Erleuchtung ist. Die Zenleute, die haben das, ja. Aber bei den Leuten, die zu Satsangs gehen, und vielleicht zu Satsangs von Leuten, die selber eben nicht vollständig erwacht sind, dann werden auch sie dieses unvollständige Erwachen schon für das Ganze halten. Und dann hören sie auf! Und da wird es ja eigentlich erst richtig interessant, da, wo diese Leute aufhören.

Ja gut, da bin ich ja überhaupt noch weit von entfernt. Ich hab nie ein Erleuchtungserlebnis gehabt. Also noch nicht mal das hab ich geschafft. (lacht)

Wenn das nicht deine Absicht ist, dann brauchst du dich auch nicht wundern, wenn du dann diese Absicht auch nicht erreichst. Aber die Leute, die es machen und die die Absicht haben, die haben oftmals eben eine – hm, sagen wir mal, wie ich schon eben angemerkt habe, eine eher negative Absicht. Sie wollen etwas entkommen. Sie wollen etwas weghaben. Sie wollen ihr Leiden weghaben – ihr Leiden an der Welt, ihre Probleme, ihren Streß. Und das ist nicht die Motivation, die dich bis zu der wirklichen Befreiung führt. Weil du wirst dann aufhören, wenn du aufhörst zu leiden. Dann wirst du aufhören, weiter zu suchen, weiter zu forschen, weiter zu gehen mit deinem Bewußtsein. Wenn du sagen kannst: „ich bin frei“, dann bist du frei. Aber die Leute wollen nur frei von Leiden werden. Frei von Beziehungsproblemen, frei von Geldproblemen, frei von all den Dingen, die sie plagen. Ja, das kann man auch! Aber das ist nicht – wie gesagt, das ist nicht, was dich motiviert, weiter und weiter und weiter zu gehen.

Warum willst du die Erleuchtung?

Und was eben auch noch oft leider dazukommt, ist, daß viele sehr begierig darauf sind, sich eben selbst schon als einen fertigen Meister betrachten zu können und dann ihre – ähem! – halbgaren Wahrheiten (lacht) anderen Leuten geben zu können, ja? Nicht wissend, daß sie nichts weitergeben als ihre eigene Unwissenheit und vielleicht auch den eigenen Weg und ihre Erfahrungen, was sie ja machen können. Aber das … so werden deine Leute, die zu dir kommen, auch nicht frei, weil du es ja auch schon selber nicht bist! Und wenn das deine Motivation ist, das überhaupt zu machen, daß du dann irgendwie dieser Guru für andere sein willst, dann solltest du dich erst recht fragen: Warum willst du überhaupt die Erleuchtung? Warum willst du die Befreiung? Willst du bloß mehr Geld verdienen? Das kannst du auch anders schaffen. Das ist nicht der Weg dahin.

Erst wenn tief, tief in dir der Wunsch brennt, diese Befreiung zu erlangen, dann bist du wirklich auf den Weg. Und dann kannst du auch so weit kommen, ja. Es ist noch nicht mal ein Irgendwohin-Kommen, ja? Nur ist es schwierig, in normaler Sprache darüber zu sprechen. Aber erst dann, wenn dich NICHTS mehr interessiert, nur noch das, dann hast du die richtige Motivation dafür. Und dann interessiert dich nicht mehr, wie viel Geld du verdienst, dann interessiert dich nicht mehr, wie viele Follower du auf Facebook hast, und dann interessiert dich auch nicht, ob du deine bisher gemachten Erfahrungen in irgendwelchen Satsangs irgendwelchen Leuten erzählen kannst. Das interessiert dich dann ALLES nicht mehr. Alles, was du dann noch willst, ist wirklich die Befreiung.

Und du selbst kannst dir die Frage beantworten: Ist das bei mir so? Oder nicht? Ja? Und wenn’s nicht so ist – mach dir keine Vorwürfe, aber mach dir auch keine Illusionen. Dann hast du hier vielleicht noch ein paar andere Dinge, die du vorher machen willst, ja?

[Störung durch permanentes Sirenengeheul] Warte mal eben. Das nervt mich zu sehr. (Pause)

Ja. Das muss das einzige sein, was dich überhaupt noch interessiert. Und dann hast du die Motivation, dann hast du die Energie, dann hast du auch das Durchhaltevermögen – weil du es nicht mehr in andere Sachen reinsteckst, die nebensächlich sind dafür! Die meisten Leute kommen nicht hin, weil sie in zig anderen Aktivitäten drinstecken, sowohl mentale als auch physische Aktivitäten, ja? Wenn du überlegst, wie du Marketing machst, damit du deine Satsangs an den Mann bringst, hast du keine Zeit mehr für die Befreiung. Ja? Wenn du acht Stunden am Tag arbeitest und dann platt bist, hast du auch keine Zeit mehr für die Befreiung, und vor allem keine Energie! (fängt Gedanken von mir auf, daß das doch Leute schon geschafft haben) Es ist möglich, ja. Es ist möglich, einen Acht-Stunden-Job zu machen UND zu erwachen. Aber das bedeutet, du mußt diese acht Stunden VOLL präsent sein, in jeder Sekunde, und immer wissen, daß es alles Illusion ist und daß auch dein Gedanke, Geld zu brauchen, um leben zu können, ebenfalls Illusion ist. All dieses ganze Zeug ist alles Illusion! Und wenn dir das noch nicht mal klar ist, würde ich sagen, du bist nicht wach.

Na, er sagt, er hat jetzt dieses ganz normale Leben, und das macht ihn auch glücklich.

Ja, das kann er ja! Ich gönne es ihm von Herzen. Aber das ist nicht wach sein. Das ist nicht frei sein. Und wirklich wach und frei wirst du erst, wenn das alles ist, was du überhaupt noch willst im Leben, wenn du alles andere verbrannt hast. All deine Jobgeschichten, deine Beziehungsgeschichten, deine Überlebensängste, deine Machtgeschichten – alles, was dich da noch irgendwie in dieser Illusion drin hält. Das ist nämlich eigentlich der Punkt. Wenn du ne Obsession mit Macht hast, wenn du Beziehungsgeschichten hast, wenn du Geldthemen hast – all diese ganzen Sachen, die halten dich in der Illusion.

Und deswegen musst du sie auflösen, nicht, damit du ein besseres Leben führen kannst. Damit du von dieser Illusion FREI wirst! FREI!!! Damit du durchsehen kannst und sehen: Es hat nie, nie gestimmt! Es war keine Realität, zu keinem Zeitpunkt! Es gibt noch nicht mal etwas, was man Zeit nennen könnte! Es ist immer, immer DEINE Illusion gewesen, die du selbst gebaut hast. Und in dem Moment, wo du das wirklich, wirklich erkennst – dann kannst du frei davon sein. Weil dann ist das auch nichts anderes als das Kino, wo du drin sitzt, und du WEISST, daß es ein Film ist. Ja? Du bezahlst dann Eintritt, dann gehst du hin, guckst den Film an, du weißt aber die ganze Zeit, es ist ein Film. Das weiß der normale Mensch, der ein Leben führt hier auf Erden, meistens nicht. Er denkt, das wär alles real. Frei bist du dann, wenn du weißt, daß nichts davon real ist und daß auch du nichts davon zu einem Problem machst.

Die Motivation, die du haben musst

Ja, und ist es denn dann so, daß man, wenn man so frei geworden ist, wie du sagst – kann man dann die Dinge aus der Luft manifestieren? Oder wie lebst du dann? Also das Leben nach der Befreiung ist ja auch ne interessante Sache mal zu erforschen. Okay, vielleicht bin ich sowieso noch gar nicht der Mensch, der berechtigt ist, diese Frage zu stellen. Weil diese Motivation, die du gerade aufgerufen hast, die besitze ich ja gar nicht. Ich wäre ja schon froh, wenn ich hier meine Heilarbeit machen kann und damit genug Geld verdiene. Aber das ist ja nicht die Motivation, frei zu werden. Das ist einfach nur die Motivation, ein Leben zu haben, wo man Menschen helfen kann und dabei eben auch selber ein gutes Leben haben.

So – wenn ich dir jetzt sagen würde, daß das alles, alles auch Illusion ist? Es gibt niemand, dem geholfen werden müßte – niemand! Natürlich kannst du in dieser Illusion spielen, solange du willst …

Aber du hast gesagt vorhin, man müßte, wenn man sich da auf dem Weg begibt, erst mal diese Chakren durcharbeiten, damit man dann eben die Angst vor dem Tod verliert und so. Ist das dann nicht auch alles Illusion?

(lacht herzlich) Letzten Endes ja. Letzten Endes brauchst du gar nichts zu machen, außer wach werden. Aber die meisten Leute erwachen nicht einfach so. Und es gibt aber auch unterschiedliche Wege. Es gibt Leute, die haben nen Unfall, fallen ins Koma, sind sechs Wochen bewußtlos, kommen dann aus dem Koma und sind wach. Und es gibt auch Leute, die viele und lange Jahre meditieren oder Kundalini-Yoga machen und dann erwachen. Das ist immer auch, was der betreffende Mensch sich für einen Weg aussucht, oder was er glaubt, was nötig ist dafür. Und wie tief und wie stark seine Motivation tatsächlich ist. Davon hängt das unter anderem ab. Letzten Endes brauchst du es eigentlich nicht wirklich, weil sowieso alles Illusion ist. Du kannst auch zu deinem Lieblings-Gott beten, daß er dich von der Illusion befreit.

Ach, und der macht das dann, ja?

Wenn du das tief genug glauben kannst, ja – auch wenn du es dann im Prinzip selbst erschaffst –, dann kannst du dir damit deine eigene Befreiung auch erschaffen, ja. Letzten Endes bist das alles du! Auch die Gottheit, zu der du betest, bist auch du. Auch ich, der ich jetzt mit dir spreche, bin auch du. Weil es gibt – nichts – anderes. Ja? (leise) Es gibt nichts anderes. Aber die Frage ist halt: Willst du das wirklich wissen? Oder willst du weiter da auf dem Spielplatz verbleiben, wo du Geldprobleme und Beziehungsprobleme lösen kannst und all das? (lacht leise)

(erschüttert) Oh Mann!

Ja, da kommen wir nämlich dann an den Punkt, nicht. Warum willst du das? Damit du dich endlich mal was wert fühlen kannst. Und warum willst du das? Weil du denkst, daß du nichts wert bist, wenn du nicht irgendwas Nützliches tust, oder wenn du nicht genug Geld verdienst, oder wenn du nicht was leistest, oder wenn du nicht am Aufstieg mitarbeitest, ja, bist du nichts wert. Das ist, was du denkst. Deswegen machst du all diese Dinge.

Na, was hältst du denn dann von diesen Aufstiegsbemühungen? Ist das dann auch alles Quatsch? Sollten wir einfach singen und fröhlich sein und es uns gut gehen lassen, und vielleicht werden wir irgendwann erleuchtet, vielleicht auch nicht – ja, und ob in Syrien Krieg ist, interessiert ja keinen, weil es eh alles Illusion ist?

(lacht heftig) Es ist Illusion, ja. Auch Kriege sind Illusion. Auch das ganze Leiden ist Illusion. Alles, was du hier siehst.

Also was empfiehlst du denn dann? Man sollte sich’s gut gehen lassen und seine Spielchen spielen, und wenn man wach werden will, dann wird man sich auf den Weg begeben? Und ob die Menschheit als Kollektiv erwacht, ist auch nicht so wichtig, oder wie?

Wenn sie als Kollektiv erwachen, dann werden alle diese Spiele nicht mehr sein – weil dann nämlich alle begreifen, daß das immer Blödsinn war. Okay., dann kannst du noch Spiele spielen, weil sie dir Spaß machen, aber nicht mehr, weil du das noch irgendwie für ne Realität hältst.

Aha. Okay. Das muß ich jetzt glaube ich erst mal sacken lassen.

(lacht leise) Das denke ich mir, ja.

Aber du hörst dich an wie einer von meinen üblichen Verdächtigen, nicht wie ein indischer Yogi.

Vielleicht sind ja unter deinen üblichen Verdächtigen auch ein paar indische Yogis. Hast du darüber mal nachgedacht?

Bis jetzt noch nicht, nee. Ich dachte immer, das sind alles Galactics.

Ja und? Können die nicht als indische Yogis hier gewesen sein?

Doch, doch, sicher. Aber eine Galactic-Identität ist ja dann irgendwie auch hinfällig, weil das ja alles sowieso Illusion ist.

Richtig! Genau das. Es spielt keine Rolle mehr. Und dann kannst du anfangen, das Spiel zu genießen oder aufhören, zu spielen, und einfach nur noch wach sein.

Mhm. Okay. Also wenn ich das möchte, sagst du, dann müßte ich erst mal diese entsprechende Motivation entwickeln, wo ich nichts anderes mehr will, richtig?

Ja. Das ist die Grundvoraussetzung, daß du das hast oder entwickeln kannst auf dem Weg, ja. Nicht jeder hat das schon gleich, wenn er anfängt. Aber irgendwann, wenn es dir wirklich ernst ist, dann wirst du es entweder haben, oder du wirst aufhören. Und wenn du nur die Erleuchtung verfolgt hast, gesucht hast, um deine menschlichen persönlichen Probleme zu lösen, dann wirst du irgendwann aufhören – irgendwann vor dem, was eigentlich wirklich deine Befreiung hätte sein können. (lacht)

Ja, du bist echt auch so ein Scherzkeks!

(er lacht sich weg) Nee! Ich bin einfach nur jemand, der sich keine Illusionen mehr macht. Und deswegen kann ich sehen, wie die Dinge wirklich sind. Und deswegen kann ich auch sehen, daß viele Leute jegliche Motivation haben, nur nicht die einzige, die eigentlich wirklich dich ans Ziel bringt. Ja? Aber es macht nichts. Letzten Endes ist es eh egal. Wenn diese Leute das Spiel spielen wollen „Ich strebe nach Erleuchtung“, dann sollen sie das halt eben tun. Und vielleicht wird es ihnen ja wirklich sogar was bringen – nur vielleicht nicht das, was sie selbst denken.

OM mani padme hum!

(lacht) Ich denke, es reicht erst mal.

Ja, das glaube ich auch. (Lacht) Ich danke dir vielmals für die sehr bedenkenswerten Ansätze hier. Und vielleicht kann ich mich ja noch mal an dich wenden, wenn ich das alles etwas habe sacken lassen. Geht das?

Ja sicher. Immer.

Und wie rufe ich dich dann? Den Swami, mit dem ich gesprochen habe, oder …?

Von mir aus kannst du mich Swami rufen, ja.

Das Wichtigste ist dein Wunsch, frei zu sein

Okay. Hmmm … aber noch so eine ganz dämliche Frage vielleicht zum Schluß?

Ja?

Dann wäre ja aus deiner Sichtweise das, was ich hier mache mit Sacred Activations und irgendwie versuchen, damit den Lebensunterhalt zu bestreiten – das würdest du ja dann wahrscheinlich völlig irrelevant finden, oder nicht ratsam, oder wie auch immer, ja.

(lacht) Das ist, wie ich dir gesagt habe: Wenn du weiter in den Spielen spielen willst und das für real halten, dann steht dir das völlig frei. Aber es ist nicht real. Und es ist nie real gewesen. Und es wird auch nicht realer davon, dass du es dir noch weiterhin vormachst. Ja? Das ist, was ich dazu sage. Und welche Entscheidung du triffst, innerhalb deiner Illusion, das (lacht) – ja, einmal spielt es nicht wirklich eine Rolle, aber andererseits gibt es nur wirklich eine Entscheidung, die dich wirklich frei machen kann – nämlich, daß du diese Freiheit wählst und daß du nichts anderes … von nichts anderem dich ablenken lässt davon. Daß du nichts anderes wichtiger oder von höherer Priorität für dich findest, ja? Das ist das einzige – die einzige Entscheidung, die wirklich, wirklich zählt. Und was du sonst machst, ja – hab Spaß damit, wenn du in der Illusion spielen willst, ja. Aber auch das Satsang-Spiel, und auch das Erleuchtungs- und „Ich strebe nach Erleuchtung“-Spiel ist auch nur ein Spiel in der Illusion, was viele Leute einfach nicht begreifen.

Ach, du meinst, man braucht gar nicht all die Meditationen und das?

Das einzige, was du brauchst, ist, daß du es wirklich willst. Und wenn du es wirklich willst, dann wird dich alles, was du machst, dahin bringen. Und wenn du es nicht wirklich willst, dann wird nichts, was du machst, dich dorthin bringen. Weil es geht ja nicht um irgendetwas, das du tust.

Und warum machen die Leute dann Yoga und das alles?

(lacht)

Wenn das einen da doch nicht hinbringt?

Wenn du mit dieser Intensität Yoga machst, mit diesem Wunsch, frei zu werden – dann hilft’s! Ja? Aber mit der gleichen Intensität könntest du auch Bilder malen oder Lieder singen oder sonst was. Es muß nicht Yoga sein. Das einzig Wichtige ist dein Wunsch, frei zu sein. Und wenn du den hast, und wenn du ihn festhältst, und wenn du ihn weiter verfolgst, dann bringt er dich in deine Freiheit. Aber du darfst nicht denken, daß Geld oder Liebe oder Macht oder irgendetwas wichtiger ist als das. Weil in dem Moment, dann kommst du von deinem Weg ab. Dann wirst du die Macht verfolgen und das Geld und die Liebe und die schönen Konsumgüter, die es heute so gibt, ja – und nicht mehr deine Freiheit. Und damit möchte ich dich für heute verlassen, mit diesem Gedanken.

Danke! (lacht) Ich danke dir vielmals. Ich werde das bestimmt noch öfter anhören.

Das hoffe ich. Vielleicht wird es jedes Mal ein kleines bißchen tiefer sacken. Das würde mich sehr freuen.

Mhm. Gibt es doch noch was, was dich freut außer deiner Freiheit, ja? (lacht)

Ja! Wenn andere Leute auch frei sind, das freut mich ebenfalls. Wobei auch „andere Leute“ ne Illusion sind, ja? Aber jeder, der aus der Illusion aufwacht, fügt auch zu meiner Freiheit was hinzu. Ja? Sieh es mal so.

Ah, okay.

Und deshalb – wenn das dazu beiträgt, daß du deine Freiheit verfolgst und nicht mehr irgendwelchen Bullshit, dann war dieser Abend nicht umsonst. (lacht)

Scherzkeks! Okay, ich danke dir. Ich beende jetzt diese Aufnahme.

Bis vielleicht bald – wer weiß?

Text © Zarah Zyankali 2017, Foto © Zarah Zyankali 2014. Wenn ihr diesen Text teilen wollt, bitte nur verlinken oder rebloggen, nicht woanders reinkopieren. Danke!

8 Gedanken zu “Indischer Swami: Das Wichtigste ist dein Wunsch, frei zu sein

  1. muktananda13 schreibt:

    Das Bewusstsein als Mensch kämpft gegen all die Wünsche, Funktionen, Taten und Personen, die er selbst freiwillig formt, wählt und als wahr anerkennt.

    Der Geist formt aus sich Freunde und Feinde, die sich selbst
    Wenn das Bewusstsein seiner sich nicht mehr bewusst ist, sieht`s nur Feindschaft überall, die selbst ins Leben gerufen hat.
    Es probiert, erwägt, wählt und mutiert, tranformiert, kontrahiert und eshumiert seine eigenen Formen des Seins, die alle insgesamt zur Gesellschaft werden. Sie sind die Lebensleinwand, wo es sich kontinuierlich hinausprojiziert und worin bewusst- unbewusst auch leidet.

    Ein Wesen, das mit einem Arm gibt und dem anderen nimmt.
    Ein Wesen, das mit einem Auge lächelt und dem anderen weint.
    Ein Geist, der von eigenen Halluzinazionen leidet.
    Er wacht noch nicht auf.
    Er schnarcht noch, aber hat stets Zuckungen.

    Bewusstsein ist alles Sein, das sich seiner bewusst ist.
    Bewusstes Sein- jenseits von Sein und Nichtsein.

    Der Urzustand, der frei von Zeit und Raum ist, ist der des Bewusstseins.
    Der bewusste Zustand des Seins heißt Bewusstsein.

    Jedes Wesen und jedes Universum ist nichts als geformtes Bewusstsein.
    Nichts gibt`s, was nicht Bewusstsein ist, jedoch nicht alles ist sich seiner absolut bewusst.

    Bewusstsein ist gleichzeitig Ursache und Wirkung, Anfang und Ende- und auch gleichzeitig, jenseits davon.
    Das Denken ist tatsächlich arm, um das unverformte Bewusstsein erleben zu dürfen.

    BEWUSSTSEIN IST EIN ZUSTAND.
    BEWUSSTSEIN IST DEIN ZUSTAND.

    Nichts gibt`s, was außerhalb deiner ist.
    WEIL DU ALLES BIST.
    ALLES EINS: BEWUSSTSEIN.

    FREIHEIT IST DAS GEWAHRSEIN EIGENES BEWUSSTSEINS.
    Alles andere ist nämlich pure Illusion.

    Das Denken genügt nicht, um zu sehen, was ZeitRaum und Ursache- Wirkung ist.
    Das Denken reicht nicht aus, um zu sehen, was man ist.
    Was jenseits vom Denken, von den Gedankenwellen und Gefühlsbewegungen ist.
    Was jenseits von Theorien, Theoremen, Dogmen, Doktrinen, Vitrinen, Philosophien, Definitionen und Ambitionen ist.
    Was „IST“ bedeutet.
    Was man ist.
    Denn das Denken hängt fest an sich, an den eigenen Erfindungen und Windungen des gehirns, wo es residiert.
    Man braucht kurz das Denken zu stoppen.
    Denn das Denken hat nur Fragen und Antworten, die zu Blogs werden.

    Wissenschaft beginnt im Schaft des Denkens und endet mit der Selbserkenntnis.
    Wer sich erkennt, hat alles erkannt, wer aber sich selbst verfehlt, hat alles verfehlt.

    Herumzusitzen in eigener Gedankenzelle kann zwar als Freiheit deklariert werden, aber es lässt den Himmel aus sich nicht erblicken.

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  2. muktananda13 schreibt:

    Guten Morgen !

    An erster Stelle zur Freiheit:

    Freiheit ist nicht das freie körperliche Sich Bewegen eines Wesens, sondern das unbegrenzte Fühlen. Es geht auch nicht um die Gefühle, die nicht storniert oder zensiert werden können, auch nicht um die Gedanken, die jedoch manipuliert, zensiert und gar zensiert werden können.
    Das Sich -frei-fühlen, das Fühlen der eigentlichen Einheit , über die eigene und jegliche Individualität hinweg- das bedeutet Freiheit. Freie Körperlichkeit bedeutet nur freie Körperlichkeit- nicht mehr, aber dies ist ziemlich wenig. Freie Gedanken- dies ist wesentlich mehr. Und dazu freie Gefühle- ja, das ist deutlich mehr als alles andere. Dennoch, wenn man sich nur als Individuum sich frei fühlt, stößt man trotzdem an den eigenen Grenzen.
    Es gibt Menschen, die gefangene Körper haben, sind aber trotzdem frei.
    Es gibt Menschen, die zwar volle freie Körper haben, aber geistig und emotional gefangen sind.
    Und Freiheit ist, an erster Stelle, geistig!
    Denn der Geist ist es, der alles aus sich erschafft und alles in sich auflöst. Der Geist ist es, das Bewusstsein, das alles in sich beinhaltet. Was nutzt, sich ein freier Tropfen zu fühlen, wenn man das Wasser verfehlt??!
    Der Schöpfer aller Welten , Dimensionen, Universen, Phenomenen, und allen Lebens ist das Bewusstsein. UND EBEN DIES BIST AUCH DU!

    Willst du dich kennen?
    Hast du nicht Sehnsucht nach dir?

    Du bist immer da, doch du hast dich verlernt.
    Du hast vergessen, wer und wie du bist.
    Das einzig wahre Heilmittel oder Instrument ist das Beruhigen oder die kurze Stilllegung des Denkens. Denn das Denken ist es, was wie ein eiserner Vorhang zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit ist, was DICH VERSTECKT. Was deine eigene Sonne verdunkelt.

    Du bist immer frei, aber weil du dich nicht mehr kennst, bist du gefangen.
    Sich Erkennen ist die wikliche Freiheit.
    Alles andere nur Staub der Vergänglichkeit.

    Gefällt 1 Person

  3. Zarah schreibt:

    Zur Stilllegung des Denkens übe ich mich gerade in Quantum Entrainment. Dabei beobachtet man die Lücke zwischen den Gedanken, läßt sie immer größer werden und gelangt schließlich in ein „Eu- Gefühl“ – ein Gefühl von Frieden, Stille oder Freude, das nicht durch einen äußeren Anlaß bedingt ist, sondern aus dem Selbst natürlich aufsteigt. Mein Verstand kann noch nicht so ganz akzeptieren, daß das Denken gar nicht wichtig sein soll, aber das ist wohl nur eine Frage der Gewohnheit. 🙂 Schauen wir mal, wie es weitergeht …

    Gefällt 1 Person

    • muktananda13 schreibt:

      Das Leere zwischen zwei Gedanken ist die Fülle des Erkennens.
      Über dies tüchtig und geniesse die Ruhe. Irgendwann wird das Platz machen dem großen Selbsterkennen.
      Ein Paar Minuten am Tag sollen ja reichen, es kann ja auch im Laufen mitten in der Natur geschehen.Beobachte jeden Schritt, ohen was dabei zu denken, beobachte den Fuß, wie der auftritt. Je länger der Beobachtungsintervall, umso fruchtbarer die Konzentration. Je fruchtbarer die Konzentration, desto parfümierter die Meditation.denn Meditation ist nichts anders als verlängerte Konzentration und/oder völlige Entleerung geistig- gefühlsartiger Inhalte.

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  4. muktananda13 schreibt:

    Nie war die Zeit da, wo ich nicht da war- und ich als du und du als ich.
    Nie wird die Zeit als zeitlos erscheinen außer in des Menschen „sich“.

    Denken ist nie schwer- doch Masse ist bei weitem keine Qualität.
    Nicht- Denken ist wohl schwer- und da wird Konzentration auch Quantität.
    Das Denken springt herum beim Menschen wie das junge Böcklein,
    Wie auch all die Gefühle- und da geht selbst der Mensch sich auf den Leim.

    Der Mensch denkt oft durch die Gefühle, doch allzuwenig fühlt er die Gedanken.

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  5. muktananda13 schreibt:

    Der Mensch ist das Bewusstsein als Wesen der Gefühle und Gedanken, die zusammen wohl zu Taten werden. Vergißt er sich dabei aber als Bewusstsein, so leidet der Mensch als unbewusst im Sein.

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  6. muktananda13 schreibt:

    Ein Motor ohne Öl funktioniert nicht.
    Des Denkens Schmiere sind die Gedanken.
    Der Gedanken Schmiere ist das Gefühl, das sie beseelt.
    Sind sie da, doch fehlt die Liebe oder das Mitgefühl, so sind sie bereits tot bei der Geburt.

    Des Menschen Glück sind tatsächlich Liebe und Wille zur Freiheit und zur Wirklichkeit.
    All das, was der Mensch als Glück nennt außer diesen, ist nur Staub der Zeit.
    Es ist ja doch ein Glück, dass man gesund geboren wurde und ja frei. Ja vielleicht gar vermögend und mit schönem Körper?
    Doch was ist Freiheit?
    Was das Sein?
    Wozu Leben und was eigentlich bin ich?
    Was ist Zeit?
    Was war vor der Zeit und was danach?
    Was ist Bewegung?
    Warum Unterschiede?
    Was und wozu Bewegung?
    Was war ich, bevor ich wurde und was werde ich, wenn ich nicht mehr da bin?
    WER ODER WAS BIN ICH?

    Die sind all des Weisen Fragen,
    die nach Antwort hinaus ragen.
    Bald er findet sie im Herzen,
    wo sie nicht welken als Scherzen.

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