Film-Realitäten reloaded 4: Spiel ohne Grenzen – die Qual der Wahl

k-hibiskus-klein

Hier kommt jetzt der vierte und (vorerst) letzte Teil der Filmrealitäten-Reihe. Es geht darum, wie man erkennt, ob man im falschen Film ist – wie man daraus aussteigt – und wie man die Parameter für die Filme festlegt, die man wirklich gerne drehen möchte.

Viel Spaß damit! 🙂

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 in welchem Film Möchtest du sein?

Okay. Was machen wir denn zuerst? Ich hab da noch ne Frage zu diesen Filmgeschichten auch. [Wir hatten eigentlich was anderes aufnehmen wollen.]

(amüsiert) Ah ja? (lacht) Dann stell die doch einfach.

Und zwar hast du einerseits halt gesagt, so, wenn man einen Film im Kopf dreht, dann kann man sich das ja auch genauso machen wie man will, und die Leute müssen so antworten, wie man das denen vorgibt, und in Wirklichkeit passiert das dann meistens ganz anders, und deswegen ist das keine gute Idee. Und dann hast du aber gesagt in bezug auf die Filme, die man fürs Leben dreht: „Alles, was du willst, ist möglich in deinem Geist.“ Und im Bewußtsein läßt sich alles realisieren. Und es wäre nicht wie Hollywood, daß man sagt, okay, dies und das läßt sich nicht machen und so. Also einmal ist es nicht gut, daß man alles machen kann, und einmal geht es dann doch, oder wie? Oder soll man so­gar sich das so manifestieren, wie man das haben will?

[lacht) Ja, nun. Das sind zwei trotzdem ganz ganz unterschiedliche Sachen. Das eine ist ja, daß du ei­ner Situation, die bereits manifest ist, versuchst auszuweichen, indem du dir da irgendwelche blühen­den Phantasien dadrüber machst, wie du das gerne hättest. Und das andere ist, daß du dich hin­setzt und mal überlegst: Wie willst du denn dein Leben eigentlich überhaupt haben? Was soll denn da drin sein? Was ist es, was du für dein Leben für einen Film drehen willst? Und vielleicht stellst du fest, wenn du das dir anguckst, daß du die ganze Zeit im falschen Film gewesen bist! Ja? Daß du irgendwie Reality TV oder sowas gedreht hast, und in Wirklichkeit wolltest du ei­gentlich einen Abenteuerfilm ma­chen oder so. Oder daß du einen Film gedreht hast über die Slums von Sao Paulo, und eigentlich woll­test du viel lieber „Fluch der Karibik“ machen. Und wenn du das mal merkst, dann erst kannst du das ja ändern. Wenn du ja noch nicht mal merkst, du bist im falschen Film, dann wird das einfach immer sich weiter fortsetzen, und du wirst dich wundern, warum du in deinem Leben nicht wirklich glücklich bist. Weil es halt nicht der Film ist (lacht), den du eigentlich drehen wolltest! Ganz einfach. Weil du dir vielleicht eingeredet hast, oder dir hast einre­den lassen, daß es besser wäre, was Realistisches zu ma­chen und kein Fantasy oder so zum Bei­spiel, obwohl du das viel lieber gemacht hättest.

Und deswegen. Das dient halt in dem Fall halt grade nicht der Flucht vor irgendwelchen Gegebenhei­ten, oder der Flucht in irgendeine schöne Phantasiewelt, sondern das dient dem, daß du um dich her­um wirklich das erschaffen kannst, was du da sehen willst. Und dann brauchst du nämlich keine Er­satzphantasien dir überhaupt mehr zu machen, weil dann nämlich genau das um dich rum ist, was du haben willst! Da brauchst du nicht zu fliehen, da brauchst du auch keinen Ersatz oder so, da brauchst du auch kein Fernsehen mehr (lacht) oder so, sondern dein Leben ist dann das, wovon du immer wolltest, daß es das wär. Und ich meine, dafür (lacht fröhlich) lohnt es sich dann doch, oder?

Und dafür mußt du aber eine Entscheidung treffen, nicht? Du mußt dir überlegen: Was ist es für ein Film, den ich drehen will, und wie kann ich das machen? Und bin ich hier überhaupt am richtigen Dre­hort, zum Beispiel? Was brauche ich für Schauspieler? Vielleicht auch überhaupt erstmal das Dreh­buch so umändern, daß es zu deiner Idee paßt. Und wenn du merkst, du bist dabei, noch ir­gendwelche Zei­len zu sprechen noch aus dem alten Drehbuch, dann schnell aufwachen und sagen: „Hey, das ist doch überhaupt gar nicht mein Text hier, Mann! Wo bin ich denn, in welchem Film?“ Ja?

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Wie man einen Fernseher ausmacht

Jaaa, okay. Danke! Und Frage Nummer zwei, die ich zu dem Thema noch hatte – weil du hast ge­sagt: Sobald man den Fernseher ausmacht, ist der Film nicht mehr da. Nicht?

Jahaaa.

So – wie mache ich denn den Fernseher aus? (lacht)

Wie – du weißt nicht, wie man einen Fernseher ausmacht? (lacht) Das kann ich nicht glauben!

Komm, verarsch mich nicht, ey. Bei einem richtigen Fernseher weiß ich das natürlich, aber jetzt so in dieser Metapher. Sagen wir mal, ich hab immer diese Kontrolldramen aufgeführt, oder immer Angst vor Kontrolle gehabt und immer diesen Film gedreht. Und jetzt möchte ich halt den nicht mehr se­hen. Jetzt möchte ich einen anderen Film. So, wie mache ich denn das, daß das dann aufhört?

Ja, indem du einfach aufhörst, Energie da reinzustecken, Mann. Guck, wenn du jetzt einen Krimi guckst, und du fängst in diesem Krimi einfach an, dich zu langweilen. Immer das gleiche. Immer die­se dämlichen Kommissare, die da irgendwo in der Gegend rumtapern und immer einen Mörder su­chen, und dann immer die Hinterbliebenen des Mordopfers, und irgendwann be­schließt du einfach, daß du da keinen Bock mehr drauf hast. So, dann bedarf es erstmal deiner Ent­scheidung, daß du das nicht mehr sehen willst. Zweitens bedarf es deiner Entscheidung, was du statt dessen möch­test. Und drit­tens bedarf es einfach dann des Umschaltens oder Ausschaltens. Ja? Daß du entweder in ein Pro­gramm jumpst, das dir viel besser gefällt, wo vielleicht ein Piratenfilm ist oder Babylon 5 oder irgend­was, was dir halt wirklich Spaß macht. Oder daß du es halt ganz aus­machst und guckst, was um dich rum ist. Das kannst du auch tun.

Was würde das denn bedeuten, so auf eine Real-Ebene übertragen, wenn ich das ausmache? Heißt, das, man stirbt? Oder ist das dann auch nur ein Film, das, was du erlebst, wenn du stirbst, oder …?

Nee, du mußt dafür nicht unbedingt (lacht) deine zeitliche Existenz aufgeben, sondern du mußt nur eine gewisse Art der Wahrnehmung aufgeben, die dich in dem Film gefangen hält. Und dann fängst du an zu erkennen, aus was eigentlich diese Filmelemente überhaupt bestehen. Du fängst an, be­stimmte Dinge als Kulissen zu erkennen. Du fängst an zu sehen, wer die Leute, die da spielen, wirk­lich sind. Also du siehst dann halt nicht mehr da den ollen Piraten Jack Sparrow, sondern du siehst, daß das John­ny Depp ist, um jetzt mal auf der Metaphernebene zu bleiben.

Ja, aber ich möchte ja mal raus aus der Metaphernebene. Und was würde denn das dann bedeuten, wenn man das überträgt?

Na, es würde bedeuten – sagen wir mal, du hast das Kontrolldrama da gespielt, nicht? So, jetzt willst du das nicht mehr. Irgendjemand hat in deinem Kontrolldrama die Rolle des Kontrolleurs übernom­men. Es war eine Rolle. So. Jetzt beendest du den Dreh, oder du beendest auch das Angucken die­ses Filmes. Dann kannst du sehen, wer dieses Wesen ist, ganz abseits von der Rolle, die er für dich ge­spielt hat. Und das konntest du vorher nicht, weil du zu sehr dringesteckt hast. Nicht? Das ist die­ses Drehbuch, ihr agiert das aus, du bist dann, was weiß ich, das Opfer der Kontrolle, er ist der Kontrol­leur. Jetzt ist der Dreh halt zu Ende, dann geht ihr nach Hause. Oder ihr geht dann irgendwo noch in eine Kneipe einen trinken zusammen. Dann kannst du dich mit dem unterhalten, und dann bist du nicht das Opfer, und er ist nicht der Kontrolleur, sondern ihr seid einfach nur zwei Leute, die sich un­terhalten. Und wer seid ihr dann, wenn ihr nicht mehr diese Rollen spielt? Das kannst du dann erken­nen.

(Pause)

Und dann kannst du noch eins weiter gehen und sagen: Okay, wir spielen jetzt den Film: Zwei Schau­spieler gehen zusammen einen trinken, ja? (lacht) Ist auch ein Film. Wenn wir diesen Film auch noch beenden, was ist dann noch übrig? Ja? Das geht dann … du kannst immer noch eine Ebe­ne tiefer ge­hen damit.

Puh! Also du meinst, um jetzt ein anderes Programm einzuschalten, genügt es … oder auch um alle Programme ganz auszuschalten, genügt es, eine Entscheidung zu treffen, daß man jetzt diesen Film da oft genug gesehen hat und was anderes möchte?

Ja, wie machst du es denn? Wenn du abends fernsiehst – okay, du guckst nicht viel Fernsehen -, aber mal angenommen. Und du guckst was, und du stellst irgendwie fest, daß dich das langweilt. Viel­leicht hast du es dir anders vorgestellt. Vielleicht haben dir alle erzählt, wie toll „Matrix“ ist. Und dann guckst du „Matrix“, und nach einer Viertelstunde sagst du: „Äääh, der Film, der geht mir auf den Keks. Ich mag das nicht. Ich möchte was anderes.“ Ja, was machst du denn dann? Vielleicht konsul­tierst du dein Programm und guckst, was an dem Abend noch ist. Und wie wählst du denn dann aus, was du statt dessen gucken willst?

Naaa … phhhh … so, wie du das immer sagst. Also wenn ich merke, daß ich irgendwie grinse, wenn ich irgendwas Bestimmtes sehe. Also was weiß ich – vielleicht ist es ein Film mit Errol Flynn, oder ir­gendwas, was ich immer schon mal gucken wollte und nie dazu gekommen bin. Oder … also wenn ich halt merke, da ist kein Interesse – wenn ich halt nur sehe, da ist nur der Musikantenstadl und die ARD-Abendschau oder Spätnachrichten und irgendwie noch Sport und Wimbledon und all so’n Zeug, das mich nicht interessiert, dann mache ich das halt wirklich ganz aus dann, nicht.

Und wenn ich merke, da ist was, was mich interessiert, oder was weiß ich, vielleicht gibt’s nen Mari­lyn Monroe-Film, wo ich weiß, daß ich da was zu lachen kriege und mich da amüsieren kann, dann nehme ich halt das.

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Definiere deine eigene Realität

Ja. Und genauso machst du das da auch. Ganz einfach. Guck, jetzt hast du dann … was weiß ich … schon wieder irgendwelche Gedanken an S. und die Ausbildung und dies und das. Und da mußt du einfach nur bemerken – das ist wichtig! – du mußt bemerken, daß das nicht der Film ist, den du sehen wolltest. Weil sonst bleibst du da drin hängen. Das ist genau wie mit richtigem Fernse­hen. Wenn du nicht merkst, daß „Matrix“ dich eigentlich gar nicht interessiert, dann guckst du dir den vielleicht bis zu Ende an. (lacht) Das kann passieren! Glaub’s mir. Du guckst den vielleicht, weil dir zehntausend Leute erzählt haben, wie geil der ist. Und du merkst deswegen nicht, weil diese Kriti­kermeinung halt so überwältigend positiv war, merkst du nicht, daß das gar nicht das ist, was dich vom Hocker reißt! Ja? Und dann guckst du den bis zu Ende, und dann wunderst du dich hinterher, warum du dich so blöd fühlst. Weil du nicht gemerkt hast, daß das nicht der Film war, auf den du Bock hattest.

So. Das mußt du merken. Das ist das Allerwichtigste. Daß, wenn du was erschaffst – auch in deinem Geist schon – mußt du merken, ob das das ist, was dich wirklich vom Hocker haut, was du wirklich spannend findest oder lustig findest, oder was dich begeistert. Und wenn es das nicht ist, dann schal­test du um. Dann sagst du: „Hey – das langweilt mich! Ich hab da keinen Bock drauf.“ Das mußt du tun. Und dann überlegst du: „Worauf hätte ich denn Bock? Was würde mir denn mal richtig Spaß ma­chen?“ Und dann guckst du, was da kommt. Und das machst du dann. (lacht) Und das ist eigent­lich alles (lacht), was du tun mußt. Aber das mußt du tun. Weil, wie gesagt, sonst bleibst du in einer Rea­lität hängen, die es für dich nicht ist, weil du nicht gemerkt hast, daß es die für dich nicht ist. Weil dir tausend Leute erzählt haben, daß das so geil ist.

Das ist wie mit Australien. Tau­send Leute er­zählen dir, wie geil es in Australien ist, und du fährst hin und erlebst den Absturz dei­nes Lebens dort. Nicht? Es ist nicht für jeden das gleiche relevant oder interessant. Und du mußt rausfinden, was es für dich ist. Und wenn’s das nur für dich ist und für sonst niemand auf der Welt, ganz egal – steh dazu. Steh dazu, daß du was anderes willst, als was zehntausende Millionen andere Leute wol­len. Wenn die alle Ma-o-am wollen, und du willst Thai Curry, ja, dann laß die doch Ma-o-am essen. Du mußt das doch nicht auch essen deswegen. (lacht) Mußt du doch nicht.

Na, darum ging’s ja jetzt auch nicht, daß ich mir jetzt irgendwas …

(unterbricht) … doch, genau darum geht’s: daß du dir Dinge hast einreden lassen, Realitäts-Sichtweis­en hast einreden lassen, dir deine eigenen Sachen hast ausreden lassen, weil du in einem bestimm­ten Alter auch das Gefühl hattest, diese Leute, die haben die Macht, die bestimmen dar­über, was Wirklichkeit ist, die wissen mehr darüber, was Wirklichkeit ist, als was du weißt. Du hast diesen Leu­ten geglaubt. Jetzt nimm – deine – Macht – zurück, und definiere du, was für dich deine Realität ist. Laß dir das nicht von anderen Leuten definieren. Die mögen ihre Realität definieren, wie sie wol­len. Das ist ihr gutes schöpferisches Recht, nicht. Das sind auch alles schöpferische Wesen, die ihre Reali­tät erschaffen. Aber laß dir nicht deine Realität von denen erschaffen! Mach die selber! Ja? Das ist der Punkt!

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Wenn du nicht da bist, passieren die Dinge ohne dich

Okay. Erstmal danke. Und dann war noch was, wo ich dich unterbrochen hatte, als wir letztes Mal dar­über sprachen mit den Filmen. Wo du gesagt hast: Das Filmedrehen im Kopf bringt mich aus mei­ner Filmrealität raus und so.

Ja. Aber ich meine, darüber ist eigentlich auch im Prinzip alles gesagt da in dem, was ich dir schon er­zählt habe. Daß, wenn du zuviel Filme drehst im Kopf, daß du dann nicht mehr merkst, was um dich rum abgeht, und daß du dann natürlich auch keinen Einfluß darauf nehmen kannst. Und das wie­derum hindert dich, wirklich deinen Film da zu drehen für dein Leben. Wenn du nicht vorhanden bist da in deiner Realität, dann passieren die Dinge ohne dich. Muß einfach mal so kraß gesagt wer­den. (lacht) Wenn du nicht da bist, wenn du nicht sagen kannst: „Hey – ich möchte das jetzt aber so ha­ben, und ich beeinflusse das jetzt dahingehend, und ich gebe da den und den Input. Oder wenn ich merke, die Dinge nehmen eine Wendung, die mir nicht gefällt, dann begebe ich mich da raus“ oder so, ja? Wenn du nicht da bist, dann kannst du diese Dinge nicht tun. Wenn du in irgend­einer Phanta­siewelt bist oder so. Phantasiewelten können schön sein. Das habe ich nicht gesagt, nicht. Aber was halt eben passiert, ist, daß du nicht schnallst, was um dich herum passiert. Und das kann oft viel span­nender sein, nicht? Also es passieren ja nicht um dich herum jetzt nur langweilige Dinge oder Sachen, die du nicht willst oder so. Sondern dir entgehen ja dann auch Sachen, die für dich sogar ultraspan­nend sein könnten, weil du nicht da bist. Die du in deinen tollen Abenteuerfilm, den du drehen woll­test, mit ein­bauen kannst! Die entgehen dir dann ja auch.

Und da mußt du halt gucken dann, nicht. Weil, wenn du deine Wahrnehmung immer weiter erwei­terst und vertiefst, dann, wie gesagt, fängst du an, auch Dinge wahrzunehmen, die weit, weit über diese übliche Konsensrealität hinausgehen und die dann vielleicht viel interessanter sein können als irgend­eine Phantasiewelt, die du dir bauen könntest.

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Spiel ohne Grenzen

Was weiß ich, also jetzt mal als ein etwas hin­kendes Beispiel: Phantasiewelt ist, wie wenn du nach Disneyland gehst, und dann spielst du da Pirat oder so, während in Wirklichkeit, wenn du offen ge­nug wärst, du vielleicht Weltraumreisen machen könntest und andere Zivilisationen besuchen, was viel spannender wäre, als in einer vorgegebenen Fantasywelt nach vorgegebenen Regeln vorgegebene Abenteuer (lacht) zu erleben, nicht. Weil das geht doch immer über bestimmte Limits nicht hin­aus, was dann da möglich ist. Und du kannst aber unbegrenzt sein, wenn du das für dich energeti­sierst, nicht, wenn du das willst. Dann brauchst du nicht nach eingegrenzten Regeln zu spielen. Dann hast du ein Spielfeld, das geht bis ins Unendliche. Dann kannst du alles machen.

Und da stellt sich dann halt nur die Frage: Wenn man wirklich unbegrenzte Mittel hat und ein unbe­grenztes Spielfeld, was möchte man denn von dem, was man dann da zur Verfügung hat, über­haupt umsetzen? Und das ist dann wieder eine Schwierigkeit, die man hat, nicht – die Auswahl, das: Was will ich denn dann eigentlich damit machen? Denn die begrenzten Spiele, die funktionieren im­mer nur auf einer Basis,wo halt ein bestimmtes Regelwerk existiert, und außerhalb dieser Regeln kann man nicht agieren. Und gerade durch die Begrenzung entsteht dann sozusagen – wenn du bestimm­te Sachen nicht machen darfst, oder nur unter bestimmten Umständen machen darfst -, dann ent­steht die Span­nung halt dadurch, wie du das, was du machen willst, trotz dem, was du nicht darfst, immer noch ir­gendwie hinkriegen kannst, nicht? (lacht) Das ist das Spiel in der Begrenzung.

Das Spiel in der Grenzenlosigkeit – es gab mal diese Sendung, kannst du dich noch erinnern, als du klein warst: „Spiel ohne Grenzen“. Natürlich war das ein begrenztes Spiel, aber es hat trotzdem Spaß gemacht, nicht? Aber dieses hier ist jetzt wirklich ein Spiel ohne Grenzen. Und da ist die Frage nicht: Wie kann ich trotz der Begrenzung irgendwie das Spielziel erreichen? Sondern die Schwierigkeit be­steht darin: Erstens mal gibt es kein vorgegebenes Spielziel, sondern du mußt dir überlegen, was du da erschaffen willst, was dich genug interessiert, daß du sehen willst, daß das kommt. Und dann: Wie bringst du diese Komponenten dann zusammen?

Das kann einen erstmal erschlagen, wenn man das nicht gewöhnt ist. Wenn man nur die Begrenzung gewöhnt ist, dann kann einen das erschlagen, wenn man auf einmal sieht: Also im Prinzip kannst du alles machen, nicht. Dann fragst du dich ja erstmal: „Äh … okay, ich kann alles machen, aber – was will ich denn überhaupt? (lacht) Ja? Ist es das denn überhaupt noch, was ich irgendwie früher dach­te? Jetzt gibt’s die und die und die Möglichkeiten, mit denen habe ich gar nicht gerechnet. Ja? Und jetzt könnte man da ja noch ganz andere Sachen damit machen, als was ich mir früher im­mer gedacht habe.

Vielleicht wollte ich früher immer einen Piraten­film drehen. Aber jetzt sehe ich, daß ich da noch ganz andere Möglichkeiten hab, die NIE zur Verfü­gung gestanden haben bis jetzt! Und jetzt bin ich erstmal irgendwie ein bißchen platt, weil jetzt muß ich erstmal überlegen: Was kann man denn damit überhaupt alles anstellen? Denn ich will ja nicht mit den grenzenlosen Möglich­keiten dann wieder nur die alten begrenzten Filme drehen. So. Wie kann ich das denn dann – was wär’s denn dann über­haupt? Weil, ich meine, „Star Wars“ ist ja langweilig. Das ist ja im Prinzip nur das Erdenspiel vom Krieg noch mal in den Weltraum verlegt. Das ist doch öde. Ist kein neuer Film. Das Spielfeld ist ein bißchen größer, aber die Parameter sind die gleichen. Jetzt hast du neue Parame­ter. Was machst du damit?

Und es ist vollkommen verständlich und vollkommen natürlich und vollkommen normal, daß man da erstmal eine Weile braucht, bis man sich an diese Aussichten etwas … soweit gewöhnt hat, daß man ein bißchen überhaupt anfangen kann, damit was zu machen. Das dauert etwas. Und da solltest du dich nicht irgendwie jetzt schlecht fühlen, weil du noch eine Weile brauchst oder so, sondern einfach wissen, daß das ganz normal ist und daß sich dann schon (lacht) nach einer Weile, wo man sich das betrachtet hat, die Handlungsfähigkeit und das Interesse und so auch wieder einstellt und auch Ide­en kommen werden, wie du denn dann damit weitermachen willst.

Okay. Ja, danke!

Gern geschehen.

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Text © Zarah Zyankali 2007, Foto © Zarah Zyankali 2014. Bitte diesen Text nur verlinken oder rebloggen, nicht woanders hin kopieren! Danke.

2 Gedanken zu “Film-Realitäten reloaded 4: Spiel ohne Grenzen – die Qual der Wahl

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